Freitag ist Plattentag – und wir stellen euch wie gewohnt die wichtigsten Neuerscheinungen der Woche vor. Mit Deafheaven, The Darkness, Lucy Dacus, Mumford &Sons, Destroyer, Amenra, Arch Enemy,Daevar,Girlpuppy, Masters Of Reality, The Blue Stones, Buster Shuffle, Macky Messer, Sam Akpro, Perfume Genius und Underoath.
Freitag ist Plattentag
Album der Woche: Deafheaven – “Lonely People With Power”
Deafheaven (Foto: Nedda Afsari)
Deafheaven beweisen nach “Infinite Granite” mit Black-metal-Riffs und Post-Rock-Momenten auf “Lonely People With Power” eindrücklich, dass Shoegaze nur eines ihrer Stilmittel bleibt. In ihren Songs steht der Mensch im Mittelpunkt: Dass er dort, gerade in diesen Zeiten, in einem Sturm aus Blastbeats und Gekeife steht, ist alles andere als eine Überraschung.
“Leather jacket/ No sleeves/ Harley Davidson?/ Yes please!”: The Darkness beweisen auch auf ihrem achten Album “Dreams On Toast” unschlagbaren Humor. Rock’n’Roll-Krisenmanager kennen ihr Genre in- und auswendig und bringen seit jeher mit ihren persiflierenden Momenten frischen Wind in die verstaubte Schwanzrock-Gruft.
Auf ihrem vierten Soloalbum zeigt sich Lucy Dacus mit neuem Selbstbewusstsein: Frühere Alben sind geprägt von Kindheitserinnerungen und der eigenen Queerness im Kontext einer christlichen Erziehung – “Forever Is A Feeling” ist sachlicher. Neben einem Hozier-Feature wird Dacus von ihren Boygenius-Kolleginnen unterstützt.
Mumford & Sons haben augenscheinlich genug herumexperimentiert. Mit ihrer fünften Platte legen die Briten vor allem ihren ältesten Fans Musik vor, die in Teilen auch aus ihren Anfangstagen hätte stammen können. Dabei klingen sie oftmals amerikanischer als gewohnt. Eins steht aber auch fest: Es ist nicht mehr 2009.
Dan Bejar hat die magische Formel wiedergefunden: “Dan’s Boogie” ist das beste Destroyer-Album nach “Kaputt”. Vier Alben lang scheiterte er auf höchstem Niveau an dem Versuch, einen würdigen Nachfolger zu schaffen. Jetzt triumphiert er: Manchmal kämpft Musik gegen Gesang, in den besten Momenten erzeugt Bejar echte Magie.
Amenra bringen mit “With Fang And Claw” und “De Toorn” gleich zwei EP’s heraus: Erstere setzt den Faustkeil an, “De Toorn” bringt ergrübelte und schwebende Ritualistik mit. Die Musik ist wie immer nahezu makellos und gewöhnlich zugleich – ein wenig mager ist die Ausbeute hier, bei aller musikalischen Qualität, trotzdem.
Arch Enemy sind immer noch da und klingen so frisch wie lange nicht: Sängerin Alissa White-Gluz, die für ihre wuchtige Stimme bekannt ist, zeigt auf “Blood Dynasty” ganz neue Facetten und überzeugt mit einem Klargesang, der unter die Haut geht. Es regiert, wie das so ist im Metal, aber auch der Kitsch.
Mollgeschwängerter Doom-Rock verbindet sich bei Daevars “Sub Rosa” mit Metal, Grunge und dem mit viel Hall unterlegten Gesang von Sängerin und Bassistin Pardis Latif. Das klingt mal hoffnungsvoll, mal verzweifelt und manchmal nahezu episch – aber immer fantastisch.
Für Girlpuppy aus Atlanta ist ihre Musik wie eine Art Tagebuch. Inspiriert von Matt Berninger hat die Songwriterin bittersüße Melodien mit weichem Gesang und gebrochenen Herzen verbunden. Es scheinen trotz aller Melancholie immer wieder fröhlichere Momente hindurch, die von Pop-Punk-Soundscapes inspiriert wurden.
Nicht weniger als 15 Jahre liegt die letzte Platte von Masters Of Reality zurück. Jetzt hat Chris Goss den Stein wieder ins Rollen gebracht. Anstatt sich aktuellen Desert- oder Stoner-Rock-Trends anzuschließen, setzt Goss erfolgreich auf den altbewährten Spirit, wie er schon von Pink Floyd, Neil Young und Co. heraufbeschworen wurde.
The Blue Stones drängen einen mit ihrem vierten Studioalbum in einen düsteren U-Bahnschacht. Dort folgt man wie von selbst einer Fahrt durch den eigenen Gedankenkomplex. Begleitet wird man von experimentellem Bluesrock, Pop- und HipHop-Elementen sowie wegweisenden Beats, die an die Direktheit von Royal Blood erinnern.
Jet Baker und Band haben für das sechste Studioalbum über den Ska-Tellerrand geschaut, ohne sich dabei jedoch zu weit hinüber zu lehnen. Buster Shuffle machen nach wie vor, was die Londoner am besten können: teilweise nervenaufreibendes „Ska-Gewippe“, aber bitte mit einer Menge Ideenreichtum und einem starken Leadsänger.
Nach sieben Jahren Pause veröffentlichen Macky Messer aus Dortmund sieben neue Songs. Der größte Trumpf der Platte ist die Produktion: roh, ungestüm und gleichzeitig erstaunlich transparent. “All For The Goo“ erfindet nichts neu, macht aber mit Spielfreude, Herz und DIY-Mentalität Lust auf durchtanzte Nächte.
Der britische Newcomer Sam Akpro greift in die Psychedlic-Shoegaze-Dub-Trickkiste und kombiniert, was er dort herauszieht, mit laid-back Soul und HipHop. Das Chaos, was dabei entsteht, ergibt genug Sinn, um ein solides und vor allem authentisches Debüt zu formen. Die Themen orientieren sich an einer ebenso chaotischen Zeit.
Als eine der wichtigsten Stimmen der queeren Indiefolk-Szene präsentiert Perfume Genius auch mit seinem siebten Album ein Werk, ausgestattet mit bittersüßen Melodien, Gitarrenfolk und verzaubernden Details. Dabei nimmt er sich LGBTQ+-Personen betreffende Bedrohungen sowie den aktuellen Nationalismus vor.
Underoath stellen die VISIONS-Redaktion mit ihrer zehnten Platte vor eine große Herausforderung: Die Beantwortung der Frage, ob ihr religiös geprägter Metalcore zeitgemäß ist oder nicht. Dabei gehen die Meinungen sehr stark auseinander. Die einen reden von Fremdscham-Momenten, die anderen von einem gelungenen Album.