Seit Anfang März ist Misfits-Sänger Glenn Danzig mit seiner Band Danzig auf einer kürzeren USA-Tour unterwegs. Gegen Ende der Tour sind über das vergangene Wochenende mehrere Artikel am Merchandise-Stand aufgetaucht, die eine Comic-Version des Sängers offenbar vor einer sogenannten “Schwarzen Sonne” zeigt. In mehreren Reddit-Threads muss der Bandchef dafür nun reichlich Kritik einstecken.
Schwarze Sonne oft als Ersatzsymbol genutzt
Das Bundesamt für Verfassungsschutz ordnet das Symbol den Kennzeichen im Rechtsextremismus zu und schreibt: “Die Schwarze Sonne diente als Vorlage für ein im Boden eingelassenes Marmormosaik in Form eines Sonnenrades, welches zu Zeiten des Nationalsozialismus von der SS im ‘Obergruppenführersaal’ im Nordturm der Wewelsburg (Kreis Paderborn/Nordrhein-Westfalen) eingelassen wurde und ist nicht strafbar. In Verbindung mit einer verbotenen Organisation ist die Verwendung jedoch strafbar.” Die bayrische Informationsstelle gegen Extremismus schreibt außerdem: “Die Schwarze Sonne enthält Elemente, in denen man Hakenkreuze oder Sigrunen erkennen kann. Sie findet daher Verwendung als Ersatz dieser Symbole, ist aber auch außerhalb der rechtsextremistischen Szene gebräuchlich, z.B. in der Esoterik-, Gothic- oder neuheidnischen Szene.”
FFS, Really Glenn? This is over the line.
byu/Mister-Meta inDanzig
Auch die US-Menschenrechtsorganisation Anti Defamation League stuft die Schwarze Sonne bzw. das Sonnenrad als „eines von vielen alten europäischen Symbolen, die sich die Nazis in ihrem Versuch angeeignet haben, ein idealisiertes ‚arisches/nordisches‘ Erbe zu erfinden“ ein. Weiter heißt es zur Einordnung der ADL: “Da Sonnenrad-Bildnisse von vielen Kulturen auf der ganzen Welt verwendet werden, sollte man nicht davon ausgehen, dass die meisten sonnenradähnlichen Bilder zwangsläufig Rassismus oder weiße Vorherrschaft bedeuten; vielmehr sollten sie in dem Kontext, in dem sie erscheinen, sorgfältig analysiert werden.”
Danzig selbst hat sich dazu noch nicht geäußert. Sein Interesse an den okkulten oder esoterischen Verbindungen des Nationalsozialismus ist allerdings bekannt. In den 90ern etwa lobte er das Buch „The Occult Roots Of Nazism“ und sagte, dass „jedes Schulkind dieses Buch haben sollte“. Später erklärte er in einem Interview, dass diese Bemerkung satirisch gemeint war. “Wenn ich ein Nazi-Jäger wäre, würde ich dieses Buch lesen wollen. Wenn jemand sagt, es sei politisch unkorrekt, dieses Buch zu haben, sage ich im Grunde: ‘Fick dich.'”, rechtfertigte sich Danzig.
Fanlager gespalten
Viele US-Fans in den Reddit-Kommentaren denken offenbar, dass Danzig mit der Symbolik zu weit geht und sprechen in diesem Zuge von “Nazi-Scheiß”. Ein Nutzer wurde konkreter und schrieb etwa “Man kann nicht in einer Zeit, in der echte Nazis an der Macht sind, Nazi-Scheiße ausstellen und es ‘okkult’ nennen. Hört auf, diesen faschistischen Scheiß zu unterstützen.”
Andere sahen darin nur eine bewusste Provokation seitens des Sängers: “Sein Künstlername ist Danzig, er hat schon immer absichtlich Kontroversen provoziert.” An anderer Stelle wird er damit verteidigt, dass er derjenige gewesen sei, der “Bullet” geschrieben habe: “Er verwendet eiserne Kreuze und Pentagramme und sorgt gerne für Aufsehen. Ist er ein Nazi? Äußerst zweifelhaft.” Von einigen offen rechtsradikalen Nutzern auf Twitter wurde er aber auch durch die Aktion als “einer von unseren Jungs” betitelt.
Danzig gegen Cancel Culture
Inwiefern Danzig tatsächlich ernst mit rechts-esoterischem Gedankengut sympathisiert oder nur provozieren will, bleibt vorerst offen. Zuletzt sprach er sich etwa 2021 gegen „woke bullshit“ aus und erklärte, dass Band wie seine Misifits heute keine Songs wie „Last Caress“ über die Ermordung von Babys und sexuelle Übergriffe auf Mütter schreiben könne. “Wir können froh sein, dass es so gekommen ist, denn es wird nie wieder passieren. Diese Art von Bands wird es nie wieder geben. Alle sind so verklemmt und pingelig”, so Danzig. Neuer Songs schreiben möchte der 69-Jährige aber eh nicht, wie er zuletzt in einem Interview behauptete.