Man braucht schon ein gutes Händchen für das Volume-Rädchen der eigenen Stereoanlage, um sich Scout Niblett verletzungsfrei anhören zu können. Viele ihrer Lieder beginnen mit schüchternem Gitarrenpicking, das sich kaum oberhalb der Hörbarkeitsgrenze halten kann, oft bleibt von ihrer Stimme nur ein scheinbar zielloses Gemurmel übrig. Dann aber kann alles sehr schnell umschlagen, die Gitarre einen durch biestige Nirvana-Riffs schleifen und Nibletts stichelnder, lang gezogener Gesang sehr bestimmt im Ohr zubeißen. Auch ihre vierte Platte “This Fool Can Die Now” spielt solche Gedanken- und Gesinnungssprünge zwischen extrovertierter Angriffslust und in sich selbst gekehrter Reduktion durch. Auch diesmal hat Steve Albini dazu einen Sound in Granit gehauen, der niemals mehr als die absolute Wesentlichkeit von der Musik übrig lässt. Trotzdem ist das Album für Niblett eine dramatische Verbesserung – nicht nur, aber auch, weil es diesmal vier Duette mit Bonnie “Prince” Billy gibt, der ja nun wirklich schon alles gesehen und gesungen hat und es hier zum ersten Mal seit Johnny Cash wieder mit einem Gegenpart auf Augenhöhe zu tun bekommt. Gemeinsam covern Niblett und er Marilyn Monroe und Van Morrison. Es sind aber vor allem ihre eigenen, von Stolz und Trotz und Aufrichtigkeit gezeichneten Stücke am Anfang der Platte, die einen nächtelang nicht mehr ohne Licht einschlafen lassen.
weitere Platten
It's Up To Emma
VÖ: 24.05.2013
The Calcination Of Scout Niblett
VÖ: 22.01.2010
Kidnapped By Neptune
VÖ: 23.05.2005
I Am
VÖ: 01.09.2003
Sweet Heart Fever
VÖ: 08.10.2001