Gäbe es Archie Bronson wirklich, er trüge einen Lederschlips. Oder einen geflochtenen Ledergürtel. Eine Lederjacke höchstens in der speckig-mittelbraunen Version mit Fransen an den falschen Stellen und Lederschuhe nur als billige italienische Mokassins an behaarten nackten Männerfüßen. Und einen Schnäuzer hätte er, mindestens, unrasierte Aknenarben drumherum und schüttere Locken obendrauf. Geiles Outfit, fände er trotzdem, und so zeitlos. Und man widersprächen ihm nicht, bei aller optischen Selbstverliebtheit, schließlich macht er – mit Kippe in der einen und on the rocks-Glas in der anderen Hand – verdammt gute Musik. Nun heißt zwar keiner der drei britischen Kunststudenten, die hier mit Derdang Derdang ihr zweites Album vorlegen, wirklich so schmuck westernheldenhaft (und mit Outfit meinen sie auch weniger Klamotten als schlicht so viel wie Band), aber sie haben vom imaginären Onkel Archie nicht nur den Namen, sondern auch eine tief verwurzelte Liebe zu Country, Blues und atmosphärischem Rock geerbt. Die der Legende nach von Domino-Chef Laurence Bell in seinem Lieblingsmusikschuppen höchstpersönlich entdeckten Bronsons stampfen, riffen und jaulen sich auf beeindruckende Weise durch die Songs und lassen einen vergessen, dass diese Mischung aus Indierock und Country eigentlich eher nach Marlboroland gehört und zuhause in England längst wieder uniforme Mod-Anzüge zu Chucks Pflicht sind. Nach zu viel Whisky in verrauchten Bars klingt das und nach alten Männern, aber bei aller gewollt verschrobenen Psychedelik nie tageslichtuntauglich. Stücke wie Dead Funny oder Dart For My Sweetheart machen mit ihrer reich fundierten Instrumentierung glauben, Archie Bronson himself würde zur Verstärkung der drei Londoner im Hintergrund mittrommeln oder –tappen, und wenn sich dann für den ein oder anderen Refrain die hübsche Nichte auf die Bühne gesellt, kann sich auch der letzte Bargast dem Tennessee-produzierten Groove nicht mehr entziehen. Archies Bronson Outfit gehören schon jetzt in die Kategorie unverwüstlich, wie das Lederoutfits eben so an sich haben. Universell tragbar und mit dem Potenzial zu ewigen Lieblingsstücken.