Isaac Asimovs “Der Zweihundertjährige” erzählt die Geschichte eines Roboters, der irgendwann zum Menschen wird. Der ehemalige Androide lebt und stirbt schließlich auf Augenhöhe mit seinen Schöpfern. Archives achtes Album klingt wie die Art Musik, die in solchen Filmen aus der Vergangenheit unsere Gegenwart als Zukunft zeigt. Klingt kompliziert, wird mit “With Us Until You’re Dead” aber ganz leicht. Die Grenzen digitaler Ausdrucksmöglichkeiten haben Darius Keeler und Danny Griffiths nach ihren schwermütigen TripHop-Anfängen stets übertreten. Auf diesem Album wagen sie sich mit ihrem elektronischen Zauberkasten an die großen musikalischen Herzmuskel der Neuzeit – die Klassik, den Jazz und den Soul. Die dichten Breakbeats von “Londonium” gibt es darin immer noch, aber sie treten immer dann in den Hintergrund, wenn Archive Platz für Menschen machen. Und das sind inzwischen einige. Bis zu sechs Sängerinnen und Sänger prägen heute das Klangbild des Archive-Kollektivs, Soul-Stimmen singen in “Stick Me In My Heart” über die Liebe zum Leben, als hätte es den Nihilismus von “You All Look The Same To Me” nie gegeben. “Interlace” verlässt sich ganz auf sphärische Vocals, am Ende wecken Archive den Hörer mit einer randalierenden E-Gitarre wieder auf, und man sieht sie fast dabei grinsen. Die pompösen Streichersätze verstecken Archive mit “Violently”, “Calm Now” und “Silent” clever in der Albummitte, wo sie Mozart und Massive Attack zu einer Selbstverständlichkeit verschmelzen lassen. Ein Album größer als jedes Dogma.
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