Ganz ruhig, so weit sind wir noch nicht. Aber immerhin: Große Teile des vorzüglichen zweiten Albums von Cold Cave atmen den Geist der Depeche-Mode-Alben aus der Zeit, als für Martin Gore eine Gitarre nicht in Frage kam, weil sie ihn zwangsläufig an Kneipenmusik erinnerte. Bestes Beispiel ist “Confetti”, da singt Cold-Cave-Chef Wesley Eisold sogar wie Dave Gahan. Auf “Icons Of Summer” ließ er Synthesizer einspielen, wie Depeche Mode sie in ihrer Industrial-Phase benutzt haben, “Underground USA” hat den dezenten Electronic-Body-Music-Einfluss einiger Songs auf “Music For The Masses”. Kaum vorstellbar also, dass einem Depeche-Mode-Fan dieses Album nicht gefallen wird – besser als die Hurts-Platte ist “Cherish The Light Years” allemal. Und dazu alles andere als eindimensional, denn wenn Wesley Eisold zur Electro-Party lädt, ist er ein generöser Gastgeber. Großzügig vermischt er in “Alchemy And You” Wire, The Cure, Soft Cell und New Order zu einem munteren Popsong mit Bläsern und Brüchen an den richtigen Stellen, denn Eisold ist ein alter Hardcore-Veteran und hat nicht den Plan, mit Cold Cave ausschließlich Vergnügungssteuer zu zahlen. Großartig ist auch die Single “The Great Pan Is Dead”, eine Hymne auf die Großstadt, die im Lauf ihrer grandiosen vier Minuten beweist, dass Electro-Rock keinesfalls statisch sein muss, so wunderbar schrammeln verzerrte Gitarren über einem Computerbeat, schälen sich Keyboard-Ideen hervor und singt Wesley Eisold, als ginge es um sein Leben: “I will come running, gunning trough the years/ Hunting heart, crushing fear.” Ich schätze, The Get Up Kids hatten vor, mit ihren neuen Songs eine ähnliche Wucht zu entfalten. Bitte hier zur Nachhilfe anmelden.
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