Hebronix
Unreal

Betrachtet man Blumbergs bisherige Diskografie, liegt der Verdacht nahe, dass der ehemalige Yuck-Frontmann nicht der umgänglichste Typ ist. Cajun Dance Party, Daniel In The Lion’s Den und Oupa – nie sprang mehr als ein Album heraus. Zumindest seine letzte und erfolgreichste Band Yuck konnte diesem Schicksal entgehen und veröffentlicht mit “Glow & Behold” Anfang Oktober ihr zweites Album, musste sich dafür allerdings ohne ihren bisherigen Sänger und Songschreiber neu erfinden. Aber auch Blumberg hat sich mit seinem Soloprojekt Hebronix enorm weiterentwickelt. Vom kompakten und Pavement-infizierten Indierock von Yuck ist auf “Unreal” nur wenig zu hören, auch wenn die 90er immer noch den Ausgangspunkt für Blumbergs musikalische Expeditionen bilden. Die Songs wabern in gedrosseltem Tempo vor sich hin, Akkordfolgen werden endlos wiederholt und vier der sechs Songs enden in ausgiebigen Gitarren-Jams. “Close your eyes and remember/ I am not in control”, singt Blumberg in “Unliving” – und tatsächlich wirkt es, als habe er keine Kontrolle über die Songs. Ohne griffige Hooks oder eingängige Refrains fällt es dem Hörer zunächst schwer, sich in den Song-Labyrinthen zu orientieren, doch nach und nach entfalten diese dank ihrer komplexen, aber durchdachten Arrangements eine hypnotische Sogkraft. Auch wenn Blumberg das schwierige zweite Album stets geschickt umschifft, würde sich bei Hebronix ein zweiter Versuch lohnen. Denn “Unreal” klingt manchmal noch etwas unausgegoren und diffus, offenbart aber spannende Ansätze.