Eigentlich hatten wir so ja nicht gewettet. Isobel Campbell war doch immer unser Kätzchen, der Schnuckel an der Seite des biederen Stuart Murdoch, die verhuschte Schönheit mit der einlullenden Schlafzimmerstimme. Kaum aber war sie raus bei Belle And Sebastian, begann sie, dieses Image zu zerkratzen. Erst ihr Solodebüt “Amorino”, das der alten Liebe noch nachhing, aber hinterrücks schon von aufkeimender Düsternis überrumpelt wurde. Dann die Duettplatte mit Mark Lanegan ausgerechnet, dem Marlboromann des Starke-Männer-Rocks. Und nun “Milkwhite Sheets”, ein Album so süß wie saure Milch. Campbell singt allein, ganz ohne Instrumente, sie singt begleitet von fahrigen, ausleiernden Streichern, sie singt zur brüchigen Akustikgitarre. Nie klingt das noch spielerisch, niemals mehr leicht, zu allem muss sie sich zwingen, alles scheint ihr schwer zu fallen. Der grandiose “Willow’s Song” profitiert von dieser Zähheit, richtet sich unter Ächzen und Stöhnen über einer brennenden Viola zum funkelnden Ungetüm auf, und auch den Nick Drake-Imitationen von “Are You Going To Leave Me” hilft die neue Reduktion zu ehrlicher Intensität. Manche von Campbells finsteren Beschwörungen bleiben aber lediglich gut gemeint, besonders ihre dünne Stimme kann die kahlen Songs nicht stützen, wirkt vielmehr oft verloren. Im Zauberwald sollte die Reise enden. Campbell jedoch bleibt im Regen stehen.