“Die Tiere sind unruhig” von Kante, da sind wir uns hoffentlich einig, war eine der Platten des Jahres 2006. Während deutschsprachige Gitarrenmusik immer chartsdümmer oder kauziger zu werden drohte, suchten Kante ihr Heil nach diversen eindringlichen Beweisen teils bewundernswerter Musikalität im gut abgehangenen Rock. Unterstützung für das Album hatten sie damals u.a. bei drei Stücken von einem gewissen Jan Dvorak als Orchesterdirigent bekommen, der daraufhin bei Kante-Sänger Peter Thiessen Texte für sein Revuetheaterstück “Rhythmus Berlin” anfragte –angelehnt an Walther Ruttmanns Stummfilm “Sinfonie einer Großstadt”. Dvorak bekam im Handumdrehen Songs geliefert. Wer nun glaubt, dass Musik für eine Friedrichstadtpalast-Aufführung mit dem Thema Berlin, die unter Zeitdruck entstanden sein muss, eine unwirkliche Mischung aus “Kunst” (ja, da schüttelt es den Leser) und halbgar gelebter Hauptstadthektik widerspiegeln muss, ist schief gewickelt. Ob Jahrmarktmusik abseits von Kleinkunstklischees, Shuffle-Rocker, chansonartige Balladen, straighte Riffhymne oder bedachtsam gewobener Klammerblues – der Geist von “Die Tiere sind unruhig” ist allgegenwärtig, das Ergebnis dennoch eigen und mal eben eine weitere selbstgestellte Herausforderung im Hause Kante mit Bravour gemeistert. “Die große alte neue Stadt” ist dabei nicht nur der hittigste Song, sondern thematisch der rote Faden dieser 38 Minuten, die sich absolut stringent in Kantes uvre einfügen, ging es ihnen doch schon immer um die drei großen Themen: Körperlichkeit, Zeit und Ort – Berlin nun also, ganz konkret. Diese verwunschene Stadt sollte dankbar sein für das ihr nun gesetzte Denkmal einer mutigen Band: zielsicher, beängstigend wandel- und dabei dennoch immer wiedererkennbar. Chapeau, sagt man da wohl.
weitere Platten
In der Zuckerfabrik
VÖ: 06.02.2015
Die Tiere sind unruhig
VÖ: 04.08.2006
Zombi
VÖ: 16.08.2004
Zweilicht
VÖ: 08.01.2001
Zwischen den Orten
VÖ: 19.05.1997