Lord Dying
Clandestine Transcendence
Es gibt einen großen Bruch in der Diskografie von Lord Dying: Einschließlich des zweiten Albums “Poisoned Altars” (2015) sind sie eine handelsübliche Sludge Metal-Band, solide, aber unspektakulär. Das dritte Album “Mysterium Tremendum” (2019) präsentiert dann ein komplett anderes Bild: ausladende 70s-Progrock-Songstrukturen, epische Melodien, psychedelische Passagen und Fokus auf Klargesang. Ein Quantensprung, dem eigentlich ein Namenswechsel gerecht geworden wäre.
Den Pfad in die Grenzenlosigkeit gehen sie nun weiter. 2023 sind Lord Dying zwar im Kern weiterhin eine Sludge-Band, nähern sich aber ästhetisch der Uferlosigkeit von Motorpsycho an und dem obskuren Krautrock-/Black Metal-Amalgam von Enslaved. Und es geht noch einiges mehr: “I Am Nothing, I Am Everything” ist purer US-Death Metal im Stil von Morbid Angel, “Unto Becoming” hat eine Gothic-Rock-Schlagseite, “Final Push Into The Sun” ist biestiges Crust-Metal-Gekloppe, “Dancing On The Emptiness” im Anschluss ein fast funky Psychrock-Freak-Out, “A Brief Return To Physical Form” gibt mit ätherischem Folk kurz Zeit zum Luftholen bis “A Bond Broken By Death” an Mastodon zu “Blood Mountain”-Zeiten erinnert.
So geht es weiter in einer erschlagenden Stunde Musik, die sich kaum nebenbei konsumieren lässt und genug Details bereithält, um den deutschen Winter ohne Langweile durchzustehen.
Das steckt drin: Enslaved, Mastodon, Rush
weitere Platten
Mysterium Tremendum
VÖ: 26.04.2019
Poisoned Altars
VÖ: 23.01.2015
Summon The Faithless
VÖ: 19.07.2013