Formal betrachtet erfüllen Lord Dying alle Vorgaben des Sludge-Genres: Massive Bauchumfänge unter Karo-Flanellhemden, speckige Bärte, Lyrik über Trauer, Schmerzen und die Unbill organisierter Religionen mit Titeln wie “(All Hope Of A New Day)…Extinguished”. Dazu massives Groove-Riffing mit leichten Hardcore-Anleihen und mit Joel Grind von Toxic Holocaust einen Produzenten, der weiß, wie man so etwas auf Platte bannt. Der ganz große Wurf in der Midtempo-Trauermosh-Szene ist “Poisoned Altars” trotzdem nicht. Es gibt einfach für alle Aspekte bessere Alternativen: Crowbar haben mehr Molltöne in ihren Riffwalzen, Eyehategod den konsequenteren Nihilismus, Down mehr Swing und Valient Thorr die packendere Energie. Wenn man schon konsequent die negativen Aspekte der Existenz thematisiert, sollte man das auch in der Musik hören – so schlecht scheint es den Red-Fang-Kumpels offenbar nicht zu gehen. So bleibt ein streckenweise eintöniges Album, bei dem man sich freut, wenn es durch melodiöse Gitarrenbreaks wie bei “Offering Pain (And An Open Minded Center)” oder cleane Vocals wie in “An Open Sore” aufgebrochen wird, oder klassische Metal-Gniedel-Gitarrensoli eingebaut werden. Das Problem von Lord Dying scheint dabei nicht zu sein, interessante Riffs zu schreiben – die kristallisieren sich immer wieder heraus – sondern sie spannend zu arrangieren. So läuft vieles etwas nebensächlich daher, angenehm organisch produziert, souverän gespielt, aber doch nur B-Liga, ähnlich wie in den Neunzigern Bands wie Hostility oder Tungsten, die nie aus dem Schatten von Crowbar oder Corrosion Of Conformity heraustreten konnten.
weitere Platten
Clandestine Transcendence
VÖ: 19.01.2024
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