“Get Ready”, das Comeback von 2001, war kein typisches New-Order-Album. Die Zeichen standen auf Gitarren, Sumner, Hook und Co. zeigten sich kompromissbereit und verzichteten auf den Synthie-Dancepop, der stets das zweite Standbein der Band war. Der Plan ging auf: Statt in die Nostalgie-Sackgasse kam die Manchester-Crew zurück auf die Indie-Dancefloors. Eine gute Zeit, das achte Album im 25. New Order-Jahr selbstbewusster anzugehen. “Waiting For The Sirens’ Call” ist also nun ein typisches New-Order-Album. Eine Sammlung langer Popsongs, denen man Formelhaftigkeit vorwerfen kann. Zum Beispiel, wenn regelmäßig nach 3:30 Minuten das zuckrig-flächige Keyboard einsetzt. Oder wenn schon der erste Beat des manchmal klinischen Drumcomputers die Richtung des Songs verrät. Und ganz ehrlich: Eine Nummer wie “Jetstream” nervt – vom stupiden Aufbau bis zum Klischee-Refrain in Dauerschleife. Aber solche Aussetzer gab es bei New Order schon immer, und was soll’s, wenn die grandiosen Momente in der Überzahl sind? “Who’s Joe” und “Turn” sind perfekter, perlender Pop, “Dracula’s Castle” hat einen üblen Namen aber eine tolle Melodie, “Guilt Is A Useless Emotion” wird im Sommer unser Soundtrack auf dem Weg von der Beachparty in den Nachtclub sein. Vielleicht muss man im Herzen einen Platz für die Pet Shop Boys haben, um diese Platte richtig mögen zu können. Alle anderen hören weiter “Get Ready”.
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