Lee Ranaldo
Electric Trim: Live At Rough Trade East
Text: Carsten Sandkämper
Zwar nimmt sich der Sonic-Youth-Co-Gründer den melodischen Kern von “Electric Trim” zu Herzen. Grundsätzlich ist sein Ton jedoch nicht gemütlich, auch nicht, wenn er nur eine Akustikgitarre in der Hand hat. Ranaldos Anschlag ist vehement, seine Rhythmik fordernd. Der Mix des Auftritts springt den Hörer geradezu an. Auch ohne Band, oder gerade, weil er, von ein paar Gastauftritten befreundeter Musiker abgesehen, allein auf der Bühne steht, verleiht er den Stücken eine ungemeine Dringlichkeit. An ein paar Stellen fehlen ihm aber die schlüssigen Ideen, um das Fehlen von Band und Produktionsgimmicks auszugleichen. Hier macht er das, was Sonic Youth immer besonders gut konnten, wenn sie keine Lust auf Struktur hatten: kaputt. Das ist ein Mal okay, beim zweiten schade, beim dritten ätzend. Allerdings sind das Luxusprobleme, die durch schöne Umsetzungen des Titelstückes, des auf zehn Minuten ausgewalzten “Moroccan Mountains” und das atmosphärische “Thrown Over The Wall” ausgeglichen werden. Die Mithilfe von Sharon van Etten, Kid Millions und Nels Cline fällt nicht groß ins Gewicht. Schlimm ist hingegen die mitunter grenzwertige Gitarrenstimmung, was wiederum als Stilmittel abgebucht werden kann, schließlich steht hier eine Noise-Ikone auf der Bühne. Zudem macht Ranaldo viele Ecken und Kanten durch seinen markanten und stimmsicheren Vortrag wett. Der Fan greift hier natürlich zu, das Studioalbum ist trotzdem besser.
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