Scowl Are We All Angels
Text: Jan Schwarzkamp | Erschienen in: VISIONS Nr. 385

Dogmatiker mag das stören. Sollen sie eben das Sellout-Kärtchen zücken. Gerade durch Bands wie Scowl bekommt die oft engstirnige, traditionsverhaftete Szene endlich die Frischluft, nach der ihre muffenden Youth-Of-Today-Shirts verlangen. Nachdem in den vergangenen 15 Jahren erst Black Metal dank aufgeschlossener Vertreter einen dritten bis vierten Frühling erlebt hat und parallel Shoegaze zu Blackgaze, Nugaze und Post-Hardcore-Gaze mutiert ist, erlebt auch Hardcore seit einigen Jahren eine Renovierung.
Die Superstars dieser Bewegung sind Turnstile. Dahinter wimmelt es von aufgeschlossenen Bands, die die Insignien der alten Schule mit Elementen aus 90s-Indie, College Rock, Emo, Pop-Punk, Electronica, HipHop und vielem mehr verquirlen. Neben Militarie Gun, Angel Du$t, Drug Church, Anxious und Fiddlehead schließt gerade die FLINTA*-Szene auf. Destroy Boys, Mannequin Pussy, The Pill, Upchuck, Gouge Away, Mugger, Filth Is Eternal, Gel, Punitive Damage: Die Liste mit Bands, die von Frauen oder Queers angeführt werden, ist lang. Scowl sind ganz vorne mit dabei.
Nach zwei EPs, einem Album und diversen Songs verpackt hinter süßen, farbenfrohen Artworks präsentiert sich die Band seit 2019 von ihrer guten Seite: mit Positive Mental Attitude, wie sie 7 Seconds und Youth Of Today und zuletzt etwa die gut mit Scowl befreundeten Thrash-Crossover-Hardcore-Band Drain versprühten.
Beide Bands stammen aus Santa Cruz. Da ist es sonnig, die Surf- und Skate-Kultur ausgeprägt. Dass Scowl (zu Deutsch etwa: finsterer Blick) trotzdem ihre düsteren Seiten haben, verrät Sängerin Kat Moss allein durch ihr teils fieses Shouting. Während das die frühen, meist einminütigen Songs der Band dominierte, sucht “Are We All Angels” (ohne Fragezeichen) sein Glück in der Variation und – Spoiler! – findet es. Moss kann selbstverständlich auch singen, ihre vier Mitstreiter Songs über zwei und sogar drei Minuten schreiben.
Manchmal braucht es diese Zeit, denn Themen wie Entfremdung, Kummer und Kontrollverlust lassen sich nicht immer auf wenige Sekunden und Zeilen herunterbrechen. Und sie mit mitreißenden Hooks zu garnieren, ist doch viel verführerischer. So wie in “Suffer The Fool” mit der schönen Frage „How high are you?“. Oder “B.A.B.E.” mit seinen Dynamikwechseln und Stimmungs- beziehungsweise Stimmenwechseln. Und dann ist da das melancholische “Fantasy”, in dem Moss verarbeitet, wie sehr sie die Szene liebt, von der sie Teil ist, während sie sich manchmal eben doch Entfremdung und Hass ausgesetzt sieht. Von uns bekommen Moss und Scowl nichts als Liebe!
Das steckt drin: Destroy Boys, Mannequin Pussy, Neighborhood Brats
Unsere bisherigen Alben der Woche
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Revocation - Revocation
VÖ: 02.08.2013
Adolescents - Presumed Insolent
VÖ: 26.07.2013
Defeater - Letters Home
VÖ: 19.07.2013
Citizen - Youth
VÖ: 12.07.2013
Letlive - The Blackest Beautiful
VÖ: 05.07.2013
Middle Class Rut - Pick Up Your Head
VÖ: 19.07.2013
Deafheaven - Sunbather
VÖ: 11.06.2013
Sigur Rós - Kveikur
VÖ: 14.06.2013
Boysetsfire - While A Nation Sleeps...
VÖ: 07.06.2013
Queens Of The Stone Age - ...Like Clockwork
VÖ: 31.05.2013
Kylesa - Ultraviolet
VÖ: 24.05.2013
Okta Logue - Tales Of Transit City
VÖ: 17.05.2013
No Joy - Wait To Pleasure
VÖ: 10.05.2013
Savages - Silence Yourself
VÖ: 03.05.2013
The Ocean - Pelagial
VÖ: 26.04.2013
Frank Turner - Tape Deck Heart
VÖ: 19.04.2013
The Thermals - Desperate Ground
VÖ: 12.04.2013
Turbostaat - Stadt der Angst
VÖ: 05.04.2013
Sanguine Hum - The Weight Of The World
VÖ: 28.03.2013
Kvelertak - Meir
VÖ: 22.03.2013
Herrenmagazin - Das Ergebnis wäre Stille
VÖ: 15.03.2013
The Men - New Moon
VÖ: 08.03.2013
Atoms For Peace - Amok
VÖ: 22.02.2013
Nick Cave & The Bad Seeds - Push The Sky Away
VÖ: 15.02.2013
Foals - Holy Fire
VÖ: 08.02.2013
Fidlar - Fidlar
VÖ: 01.02.2013
Biffy Clyro - Opposites
VÖ: 23.01.2013
The Joy Formidable - Wolf's Law
VÖ: 18.01.2013